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De Gaudeif und sien Meester

Brüder Grimm

Ausgabe letzter Hand von 1857
   

 

Jan wull sien Sohn en Handwerk lehren loeten, do gonk Jan in de Kerke un beddet to ussen Herrgott, wat üm wull selig (zuträglich) wöre; do steit de Köster achter dat Altar und seg: "Dat Gaudeifen, dat Gaudeifen (gaudieben)." Do geit Jan wier to sien Sohn, he möst dat Gaudeifen lehren, dat hedde em usse Herrgott segt. Geit he met sienen Sohn und sögt sik enen Mann, de dat Gaudeifen kann. Do goht se ene ganze Tied, kummt in so 'n graut Wold, do steit so 'n klein Hüsken mot so 'ne olle Frau derin; seg Jan: "Wiet ji nich enen Mann, de dat Gaudeifen kann?" "Dat känn ji hier wull lehren", seg de Frau, "mien Sohn is en Meester dervon." Do kührt (spricht) he met den Sohn, of he dat Gaudeifen auk recht könne. De Gaudeifsmeester seg: "Ick willt juen Sohn wull lehren, dann kummt övern Johr wier, wann ji dann juen Sohn noch kennt, dann wil ick gar kien Lehrgeld hebben, un kenne ji em nig, dann müge ji mi twe hunnert Dahler giewen."

De Vader geit wier noh Hues, un de Sohn lehret gut hexen und gaudeifen. Asse dat Johr um is, geit de Vader alle un grient, wu he dat anfangen will, dat he sienen Sohn kennt. Asse he der so geit un grient, do kümmt em so 'n klein Männken in de Möte (entgegen), dat seg: "Mann, wat grien ji? Ji sind je so bedröft." "Oh", seg Jan, "ick hebbe mienen Sohn vör en Johr bi en Gaudeifsmeester vermet, do sede de mig, ick söll övert Johr wier kummen, un wann ick dann mienen Sohn nich kennde, dann söll ick em twe hunnert Dahler giewen, und wann ick em kennde, dann höf ick nix to giewen; nu sin ick so bange, dat ick em nig kenne, un ick weet nig, wo ick dat Geld her kriegen sall." Do seg dat Männken, he söll en Körsken Braut met niemen un gohen unner den Kamin stohen: "Do up den Hahlbaum steit en Körfken, do kiekt en Vügelken uht, dat is jue Sohn."

Do geit Jan hen un schmit en Körsken Schwatbraut vör den Korf, do kümmt dat Vügelken daruht un blickt der up. "Holla, mien Sohn, bist du hier?" seg de Vader. Do freude sick de Sohn, dat he sienen Vader sog; awerst de Lehrmeester seg: "Dat het ju de Düvel in giewen, wu könn ji sus juen Sohn kennen?" "Vader, loet us gohn", sede de Junge.

Do will de Vader met sienen Sohn nach Hues hengohn, unnerweges kümmt der ne Kutske anföhren, do segd de Sohn to sienen Vader: "Ick will mie in enen grauten Windhund maken, dann künn ji viel Geld met mie verdienen." Do röpt de Heer uht de Kutske: "Mann, will ji den Hund verkaupen?" "Jau", sede de Vader. "Wuviel Geld will ji den vör hebben?" "Dertig Dahler." "Je, Mann, dat is je viel, men wegen dat et so 'n eislicke rohren Ruen (gewaltig schöne Rüde) is, so will ick en behollen." De Heer nimmt en in siene Kutske, asse de en lück (wenig) wegföhrt is, do sprinkt de Hund uht den Wagen dör de Glase, und do was he kien Windhund mehr und was wier bie sienen Vader.

Do goht sie tosamen noh Hues. Den annern Dag is in dat neigste Dorb Markt, do seg de Junge to sienen Vader: "Ick will mie nu in en schön Perd maken, dann verkaupet mie; averst wann ji mie verkaupet, do möt ji mi den Taum uttrecken, süs kann ick kien Mensk wier weren." Do treckt de Vader met dat Perd noh't Markt, do kümmt de Gaudeifsmeester un köft dat Perd för hunnert Dahler, un de Vader verget un treckt em den Taum nig uht. Do treckt de Mann met das Perd noh Hues, un doet et in en Stall. Asse de Magd öwer de Dehle geit, do segt dat Perd: "Tüh mie den Taum uht, tüh mie den Taum uht." Do steiht de Magd un lustert "Je, kannst du kühren?" Geit hen un tüht em den Taum uht, do werd dat Perd en Lüning (Sperling) un flügt öwer de Döre, un de Hexenmeester auk en Lüning und flügt em noh. Do kümmt se bie ene (zusammen) un bietet sick, averst de Meester verspielt un mäk sick in't Water un is en Fisk. Do werd de Junge auk en Fisk, un se bietet sick wier, dat de Meester verspielen mot. Do mäk sick de Meester in en Hohn, un de Junge werd en Voß und bitt den Meester den Kopp af; do is he storwen un liegt daut bes up düssen Dag.

Der Gaudieb und sein Meister

Hochdeutsche Fassung

Jan wollte seinen Sohn ein Handwerk lernen lassen, da ging Jan in die Kirche und betete zu unserem Herrgott, was ihm wohl zuträglich wäre; da steht der Küster hinter dem Altar und sagt: "Das Gaudieben, das Gaudieben." Da geht Jan wieder zu seinem Sohn, er müßte das Gaudieben lernen, das hätte ihm unser Herrgott gesagt. Geht er mit seinem Sohn und sucht sich einen Mann, der das Gaudieben versteht. Da gehen sie nun eine ganze Zeit und kommen in einen großen Wald, da steht so ein kleines Häuschen mit einer alten Frau darin. Sagt Jan zu ihr: "Wißt Ihr nicht einen Mann, der das Gaudieben versteht?" "Das könnt ihr hier wohl lernen", sagt die Frau, "mein Sohn ist ein Meister darin." Da spricht er mit dem Sohne, ob er auch richtig gaudieben könne? Der Gaudiebmeister sagt: "Ich will's Euren Sohn wohl lehren, kommt ein Jahr später wieder; wenn Ihr dann Euren Sohn noch kennt, dann will ich gar kein Lehrgeld haben, und kennt Ihr ihn nicht, dann müßt Ihr mir zweihundert Taler geben." Der Vater geht wieder nach Hause, und der Sohn lernt gut hexen und gaudieben.

Als nun das Jahr um ist, geht der Vater und grübelt, wie er das anfangen will, daß er seinen Sohn erkennt. Wie er nun so geht und vor sich hinsinnt, da kommt ihm ein kleines Männchen entgegen, das sagt: "Mann, was ist Euch? Ihr seid ja so betrübt!" "Oh", sagt Jan, "ich habe meinen Sohn vor einem Jahre bei einem Gaudiebsmeister gelassen, der sagte zu mir, ich sollte über"s Jahr wiederkommen, und wenn ich dann meinen Sohn nicht kennen würde, dann sollte ich ihm zweihundert Taler geben; wenn ich ihn aber erkennen würde, dann hätte ich ihm nichts zu geben; nun habe ich Angst, dass ich ihn nicht erkennen werde, und ich weiß nicht, wo ich das Geld herkriegen soll." Da sagt das Männchen, er soll ein Krüstchen Brot mitnehmen und sich damit unter den Rauchfang stellen: "Da auf der Stange, an der die Kesselhaken hängen, steht ein Körbchen, da guckt ein Vögelchen heraus, das ist sein Sohn."

Da geht Jan hin und wirft ein Krüstchen Schwarzbrot vor den Korb; da kommt das Vögelchen heraus und sieht danach. "Holla, mein Sohn, bist du hier?" sagt der Vater. Da freute sich der Sohn, dass er seinen Vater sieht; aber der Lehrmeister sagt: "Das hat dir der Teufel eingegeben; wie könnt Ihr sonst Euren Sohn kennen?" "Vater, laß uns gehen", sagt der Junge.

Da will der Vater mit seinem Sohn nach Hause gehen, unterwegs kommt eine Kutsche angefahren, da sagt der Sohn zu seinem Vater: "Ich will mich in einen großen Windhund verzaubern, dann könnt Ihr viel Geld mit mir verdienen." Da ruft der Herr aus der Kutsche: "Mann, wollt Ihr den Hund verkaufen?" "Ja", sagt der Vater. "Wieviel Geld wollt Ihr denn dafür haben?" "Dreißig Taler." "Je Mann, das ist aber viel, aber weil er ein so gewaltig schöner Rüde ist, so will ich ihn behalten." Der Herr nimmt ihn in seine Kutsche, aber kaum ist sie ein wenig gefahren, da springt der Hund aus dem Wagen durch die Fenster, und da war er kein Windhund mehr und war wieder bei seinem Vater.

Da gehen sie zusammen nach Haus. Am andern Tag ist im nächsten Dorf Markt; da sagt der Junge zu seinem Vater: "Ich will mich nun zu einem schönen Pferd machen, dann verkauft mich; aber wenn Ihr mich verkauft habt, dann müsst Ihr mir das Zaumzeug abziehen, sonst kann ich kein Mensch mehr werden." Da zieht der Vater nun mit dem Pferd zum Markt. Da kommt der Gaudiebmeister und kauft das Pferd für hundert Taler, und der Vater vergißt ihm das Zaumzeug abzuziehen. Da zieht der Mann mit dem Pferd nach Haus und stellt es in den Stall. Als die Magd über die Diele geht, da sagt das Pferd: "Zieh mir das Zaumnzeug ab, zieh mir das Zaumzeug ab." Da bleibt die Magd stehen und wundert sich: "Je, kannst du reden?" Geht hin und nimmt ihm das Zaumzeug ab, da wird das Pferd zu einem Sperling und fliegt über die Türe, und der Hexenmeister wird auch zu einem Sperling und fliegt ihm nach. Da kommen sie beide zusammen und beißen sich; aber der Meister gibt auf geht ins Wasser und ist ein Fisch. Da wird der Junge auch ein Fisch und sie beißen sich wieder, daß der Meister aufgeben muß. Da macht sich der Meister zu einem Huhn, und der Junge wird ein Fuchs und beißt dem Meister den Kopf ab; da ist er gestorben und liegt tot bis zu diesem Tag.

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