Wilhelm Hauff

   

Wilhelm Hauff, Zeichnung Anonymus

Die abenteuerlichen Märchen eines jungen Genies

 

Nur 25 Jahre alt wurde der geniale Schriftsteller Wilhelm Hauff (1802-1827), der neben den Brüdern Grimm und Hans Christian Andersen die bedeutendsten Märchensammlungen des 19. Jahrhunderts schuf. Er wurde als Sohn eines Beamten geboren und hatte durch den sozialen Status seines Vaters Zugang zu den Bildungsinstitutionen seiner Zeit. Nach der Lateinschule folgte die akademische Ausbildung. Die Tübinger Universität verließ er 1825 als Dr. phil. In seiner Hofmeisterstelle in Stuttgart veröffentlichte er im selben Jahr "Mitteilungen aus den Memoiren des Satan“, ohne den Namen des Verfassers zu nennen.

Seinen Durchbruch verschaffte er sich mit einem gekonnten Marketing-Trick. Unter dem Pseudonym eines damals sehr bekannten, heute völlig vergessenen Modeautors, Heinrich Clauen, brachte er 1826 seinen ersten Roman, eigentlich eine Persiflage, mit dem schwülstigen Titel "Der Mann im Mond oder der Zug des Herzens ist des Schicksals Stimme“ heraus. Der Geschmähte zog vor Gericht, das ihm recht gab und Hauff zu einer Geldstrafe verurteilte. Doch der Erfolg war ihm danach sicher.

"Lichtenstein“, ein zweiter Roman im darauffolgenden Jahr, geriet schnell zum Bestseller und begründete nach dem Vorbild Walter Scotts den historischen Roman in Deutschland. In diesem produktiven Jahr erschien auch der erste Märchenalmanach. Inspiriert von 1001 Nacht ordnete Hauff die einzelnen Märchen innerhalb einer novellistischen Rahmenhandlung an. "Die Karawane“, "Der Scheik von Alessandria und seine Sklaven“ sowie "Das Wirtshaus im Spessart“, der erst 1828, nach Hauffs Tod, erschien, fanden aber zunächst kaum Publikum. Mehr Erfolg brachten ihm seine historischen Novellen wie "Die Bettlerin vom Pont des Arts“, "Jud Süß“, oder "Die letzten Ritter von Marienburg".

Sein Renommee brachte ihm am 1. Januar 1827 die Leitung des "Morgenblattes für gebildete Stände“ des Verlegers Cotta in Stuttgart ein. Mit dieser gutdotierten Stellung im Rücken konnte er seine Verlobte, die Cousine Louise Hauff, heiraten. Acht Tage nach der Geburt seiner Tochter am 10. November 1827 starb Hauff im Alter von 25 Jahren an einem Gehirnfieber.

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